Ostern – Grund zur Freude

Ostersonntag – Erinnerung an die Auferstehung Christi. Grund zur Freude! Denn die Auferstehung ist wahrscheinlicher als viele denken. Wenn die Jünger von Jesus von vornherein an seine Auferstehung geglaubt hätten, hätten sie sich am Ostermorgen nicht mit Salben für den Leichnam, sondern mit Palmzweigen und Gesängen zum Grab begeben, den spottenden Wachen zum Trotz. Aber die Geschichte lief ganz anders und der auferstandene Jesus hatte ziemliche Mühe, seine Nachfolger von seiner Auferstehung zu überzeugen. Die waren nicht weniger skeptisch als wir heute. Warum die Auferstehung glaubwürdig ist, dazu einige Aspekte in meinem Video, auch mit Aufnahmen aus Jerusalem.

Hinweisschild zum Gartengrab, in dem Jesus beerdigt worden sein könnte (Foto: mm)

Wie entstand das Neue Testament (2)

Niemand hat sich hingesetzt und gesagt: „Ich werde jetzt mal das Neue Testament schreiben“. Die Juden zur Zeit von Jesus lebten mit dem Alten Testament. Die ersten Christen waren Juden und hatten somit einen „Kanon“, eine Zusammenstellung von Schriften, die für sie Glaubensgrundlage war.

Jesus hatte nicht nur gesagt, dass mit ihm etwas Neues beginnt, sondern das war in den Christengemeinden auch deutlich spürbar, so sehr, dass es je länger umso heftiger zu Auseinandersetzungen mit den Juden, aber auch innerhalb der Gemeinden mit traditionell jüdischen Christen kam. Hinzu kam, dass mit zunehmendem zeitlichen Abstand vom Leben Jesu auf der Erde und der zugleich immer größer werdenden Zahl von Christengemeinden das Bedürfnis wuchs, auch etwas Schriftliches zu haben, das man vortragen und weitergeben konnte, auch wenn kein Augenzeuge zur Verfügung stand.

Das gab verschiedenen Leuten den Impuls, das, was sie persönlich mit Jesus erlebt hatten, aufzuschreiben bzw. aufschreiben zu lassen. Der Arzt Lukas waren zwar nicht selbst dabei, als die Dinge um Jesus herum passierten, kannte aber genug Leute oder fand Leute, die als Augenzeugen dabei waren und glaubhaft berichten konnten, was sie beobachtet hatten. Entsprechend leitet er seinen Bericht über das Leben ein und schreibt, dass er gründlich recherchiert hat. Da er den Bericht verfasst hat, als noch viele Augenzeugen lebten – er war Zeitgenosse von Paulus -, gibt es keinen Grund, an seinen Texten zu zweifeln, denn die Leute hätten bei Falschdarstellung gut reagieren können. Sie waren weder dümmer noch leichtgläubiger als wir heute. Mit den verschiedenen Berichten über das Leben Jesu gab es erste Schriften, die in Umlauf gerieten und einen Grundstock für das spätere Neue Testament lieferten.

Wie entstand das Neue Testament? (1)

lat. Bibeltext
Seite aus der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel 1452-55 (Faksimile), Ende des 1. Petrusbriefes, Beginn des 2. Petrusbriefes

Vielen Menschen ist gar nicht klar, wie die Bibel und eben auch das Neue Testament entstanden sind. Das Neue Testament fiel nicht vom Himmel und wurde weder von Luther geschrieben noch von irgendeinem der Apostel, schon gar nicht von einem Papst.

Die verschiedenen Teile (oder Bücher) des Neuen Testaments – es sind 27 an der Zahl – stammen aus einer Zeit, wo man weitgehend noch auf Papyrusrollen schrieb und geschriebene Texte noch etwas Besonderes waren. Die Leute verließen sich vielmehr auf ihr Gedächtnis als wir heute. „Schreiber“ war ein Beruf, und wer jemandem etwas schriftlich mitteilen wollte, bediente sich eine gemieteten Schreibers, der seinen Beruf als Dienstleistung ausübte. Er konnte einfach nur aufschreiben, was der andere ihm sagte, oder auch bei den Formulierungen helfen, wenn das als nötig angesehen wurde.

Auf diese Weise kamen auch nach und nach die verschiedenen Teile des Neuen Testamentes zusammen. Einen sehr interessanten Talk zum Thema mit einem Sachverständigen kann man sich hier auf YouTube anschauen.

Hase oder Lamm?

Nein, das ist nicht die Frage nach dem Sonntagsbraten zu Ostern, sondern die Frage nach dem Inhalt. So wie Weihnachten der Weihnachtsmann zu dominieren scheint, gilt das zu Ostern für den Hasen. Das hat allerdings mit der christlichen Seite des Festes nichts zu tun. Natürlich bleibt festzuhalten, dass es außer dem Abendmahl kein einziges Fest gibt, das der Christenheit aus der Bibel zum Feiern übertragen worden wäre. Das gilt auch – so unbequem der Gedanke sein mag – für das Osterfest.

Es hat sich eingebürgert, zu Ostern besonders des Leidens Christi zu gedenken, aber nicht nur das, sondern auch der Auferstehung. Wobei Jesus Christus selbst sein Leiden und Auferstehen nicht mit einem jährlichen Fest verbunden hat, sondern mit dem Abendmahl. Paulus hat es uns im 1. Korintherbrief, Kapitel 11 ab Vers 23 folgendermaßen überliefert:

Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

In diesem Text ist sowohl das Leiden und Sterben Christi, als auch die Wiederkunft und damit impliziert auch die Auferstehung erwähnt.

Schon im Alten Testament wird durch ein geschlachtetes Lamm Sünde gesühnt. Johannes der Täufer weist auf Jesus als auf das „Lamm Gottes“ hin, das der Welt Sünde hinwegträgt, und in der Offenbarung kommt ebenfalls das Lamm als Symbol für den gekreuzigten und siegreichen Christus vor. (Von einem Hasen ist nirgends die Rede)

Es wäre zu wünschen, dass viele Menschen die Ostertage nutzen, um sich wieder auf das Opfer Christi, aber auch auf die Hoffnung machende Auferstehung Jesu zurück zu besinnen. Wie dieser Tage jemand sinnigerweise auf Facebook zum Bild eines antiken jüdischen Grabes, von dem der Stein weggerollt war, postete: „Das mit der Ausgangssperre hat schon damals nicht geklappt…“

Für mein Video zum Thema Tod und Auferstehung mit einem Besuch an einer Stelle in Jerusalem, wo das Grab Jesu gelegen haben könnte, siehe diesen Link.

Antikes Grab in Israel mit weggerolltem Verschlussstein, wie in den Evangelien beschrieben

Die Feier des siebenten Tages

Teilansicht der Zehn Gebote in der Lutherbibel von 1545 (Faksimile)

Mit dem Jubiläum „1700 Jahre Sonntagsgesetz“, das am 2. März begangen wurde, ist die Ruhe am siebenten Wochentag wieder etwas mehr in das Blickfeld geraten. Dabei geht der Auftrag zum Ruhen am siebenten Tag nicht, wie das Jubiläum möglicherweise für manche suggeriert, auf den römischen Kaiser Konstantin zurück, sondern auf das Alte Testament. Hier finden sich im 1. Buch Mose (Genesis) zum ersten Mal in der Geschichte konkrete Hinweise auf einen Wochenrhythmus aus sieben Tagen, und zwar sowohl in der Schöpfungsgeschichte als auch in den Zehn Geboten. Das nach biblischer Zählung vierte Gebot ( 2. Mose 20) lädt ein, des Sabbattages „zu gedenken“, und bringt von Anfang an eine starke soziale Komponente ein: auch Knechte, Mägde und sogar das Vieh sollen ruhen, auch Ausländer sind in die Ruhe einbezogen. Sensationell für die damalige Zeit!

Für die Apostel war die Feier des Sonntags fremd, sie hielten, wie im Neuen Testament mehrfach belegt, den Sabbat, wie Jesus auch.

Der Siebenten-Tags-Sabbat (zu deutsch: Ruhe) ist nicht astronomisch begründbar, denn es gibt keinen Zyklus von Sonne oder Mond, der auf einen Sieben-Tage-Rhythmus hindeuten würde. Medizinisch ist hingegen vielfach belegt, dass der Mensch mit einem Rhythmus von sechs Tagen Arbeit und einem Tag Ruhe bestens bedient ist. Alle Versuche, wie etwa im revolutionären Frankreich mit einer Dekade statt einer sieben-Tage-Woche oder mit dem Revolutionskalender in der frühen Sowjetunion, schlugen letztlich fehl.

Die beiden Sonntagsgesetze, die Kaiser Konstantin 321 erließ, haben insofern Bedeutung, als sie per staatlicher Anordnung eine Entwicklung festschrieben, die schon im 2. Jahrhundert nach Christus begonnen hatte, nämlich dass manche Christen anfingen, statt des Sabbats als siebenten Wochentag (den sie mit den Juden gemeinsam hatten) den achten bzw. ersten Wochentag für Gottesdienste zu nutzen. Einer der Gründe für das (teilweise) Umschwenken von Christen vom Sabbat zum Sonntag war schlichtweg antijüdisch (längere Zeit wurden beide Tage begangen). Man wollte deutlich machen, dass man mit den Juden „nichts zu tun hatte“. Das hing aus rein praktischen Gründen u.a. damit zusammen, dass der römische Staat wegen schlechter Erfahrungen mit den damaligen Juden diesen die Privilegien strich und die Christen in gesellschaftlich angespannter Lage nicht mit den Juden „in einen Topf“ geworfen werden wollten.

Historisch und theologisch gesehen ist der flotte Spruch, dass es ohne Sonntage nur noch Werktage gäbe, nicht korrekt, denn es gibt ja schließlich noch den Sabbat. Die kalendermäßige bzw. optische Umstellung vom Sabbat auf den Sonntag als (augenscheinlich) siebenten Tag erfolgte in Deutschland im Jahre 1976. Bis dahin war der Samstag (Sonnabend) in den Kalendern als siebenter Tag ausgewiesen. Dass hier eine Diskrepanz vorliegt, lässt sich im Deutschen schlicht daran erkennen, dass beim Sonntag als siebtem Tag der „Mitt-Woch“ nicht mehr in der Mitte ist.

Für mehr historische Details siehe diesen Artikel, der auf der Grundlage eines Zeitschriftenbeitrags von Kirchenhistoriker Dr. Johannes Hartlapp beruht.