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Reformationstag – oder?

95 Thesen, die die Welt veränderten

Der Reformationstag ist in den östlichen Bundesländern, abgesehen von Berlin, schon seit 1990 als gesetzlicher Feiertag. 2018 zogen auch die norddeutschen Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein nach. Das 500. Jubiläum der Reformation von 1517 im Jahre 2017 war Anlass genug, den Feiertag auszurufen. Die Katholische Kirche war wenig begeistert, ebenso wie die Arbeitgeber, denen ein Arbeitstag fehlt. Was steckt hinter dem Feiertag?

Martin Luther¸ Mönch und Theologe, hat am 31. Oktober 1517 in Wittenberg 95 Thesen veröffentlicht. Sein Ziel war, die katholische Kirche zu reformieren. In den Thesen ging es z.B. den sogenannten Ablasshandel, der es Christen gegen klingende Münze ermöglichte, sich angeblich von Sünden freizukaufen. Luther kritisierte diese Praxis scharf: das lukrative Geschäft für die Kirche (der Bau des Petersdoms wurde damit teilweise finanziert), hatte im geistlichen Sinne für die Gläubigen keinerlei Wirkung, sondern sorgte für Angst und falsche Sicherheit.

Die Thesen führen zur Gründung der protestantischen Kirche

Luther hatte nicht im Sinn, die Kirche zu spalten. Aber in der weiteren Entwicklung war dies eine offenbar unvermeidliche Folge. Anstatt sich um die Anliegen Luthers zu kümmern, versuchte man auf dem Reichstag zu Worms und bei anderen Gelegenheiten, Luther zum Widerruf seiner Thesen zu bewegen. Als der sich weigerte, weil ihm keine biblischen Gründe für den Widerruf genannt werden konnten, griff man zum letzten Mittel: Der Papst schickte ihm eine Bannbulle (die Luther postwendend verbrannte) und erklärte ihn für vogelfrei, d.h. jeder durfte ihn ungestraft umbringen. Eher freiheitlich gesinnte Fürsten sorgten hingegen für den Schutz Luthers.

In jüngerer Zeit wird gelegentlich angezweifelt, ob Luther die 95 Thesen wirklich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche (Siehe Foto oben, gusseiserne Tür heute an der Schlosskirche zu Wittenberg) genagelt hat. Sicher ist, dass er für die Veröffentlichung den Tag vor Allerheiligen wählte, einen wichtigen Gedenktag der katholischen Kirche, weil er wusste, dass an dem Tag viele Leute zur Kirche gehen und seine Thesen wahrnehmen würden.

Martin Luther leitet Zeitalter der Reformation ein

Im Zuge der Reformation war nicht nur das sprachliche Genie Luthers von Bedeutung – er legte mit der Bibelübersetzung aus den Grundsprachen Griechisch und Hebräisch eine wichtige Grundlage für die heutige deutsche Sprache. Auch für die Entwicklung der Musik war die Reformation bedeutsam. Berühmte, bis heute gern gesungene Kirchenlieder stammen von Luther. Letztendlich geht auch die Entwicklung der Bildung für alle und in gewissem Sinne die Aufklärung auf die Reformation zurück. Die Reformation gab den Impuls für Neuerungen in vielen Bereichen der Gesellschaft.

Auch am 31. Oktober: Halloween

Dass inzwischen viele Menschen den 31. Oktober statt mit dem Reformationstag mit Halloween verbinden, hat verschiedene Ursachen. Halloween geht auf einen uralten Brauch der Kelten (Irland) zurück, die an diesem Tag ihren Jahreswechsel feierten. Das taten sie im Aberglauben an einen finsteren Bösewicht, der so schlimm war, dass er vom Teufel nicht einmal in die Hölle eingelassen wurde, sondern mit kerzenbeleuchteter Handlampe über die Erde streifen muss. Die ausgehöhlten, von innen beleuchteten Kürbisse erinnern daran. Die gespenstischen Outfits, mit denen sogar seriöse Discounter ihre Geschäfte schmücken, gehen auf den Aberglauben zurück, dass man den bösen Geistern am besten entgehen könne, wenn man so aussieht wie sie. Über eingewanderte Iren und den Umweg über die USA ist Halloween mittlerweile ein Anlass für Verkleidungs- und Gruselpartys geworden bis hin zu Kindern, die abends um die Häuser ziehen und um Süßigkeiten bitten.